die spielkameraden

Begeistert von der erfrischenden Andersartigkeit der Mechanismen in Root und Oath recherchierte ich, welche Spiele Cole Wehrle noch so veröffentlicht hat. So stieß ich auf Pax Pamir, das leider nur auf Englisch erhältlich ist….so dachte ich jedenfalls bis ich erfuhr, dass es der Spielworxx Verlag in 2020 lokalisieren wird! Um nicht die Katze im Sack zu kaufen, testete ich Pax Pamir (PP) über zwei Brettspielprogramme (Vassal und TTS) an…

Worum geht es bei Pax Pamir?
In PP spielt jeder Spieler die Rolle eines afghanischen Stammesführers, der versucht, im Ringen um die Vorherrschaft durch die drei beteiligten Parteien (Russland, Groß Britannien und Afghanistan) in den entscheidenden Momenten auf der richtigen/dominierenden Seite zu stehen.

Wie funktioniert Pax Pamir?
Die grundlegenden Mechanismen (Tableau-Building) sind prinzipiell sehr einfach. Jeder Spieler führt reihum zwei Aktionen (und ggf. Bonusaktionen) aus. Die Hauptaktionen dabei sind, Karten aus einem Markt zu kaufen und Karten auszuspielen. Je nach Kartentyp werden dadurch entweder neue Einheiten auf das zentrale Spielfeld gesetzt, eigene Spielscheiben (Spione) auf eigene oder gegnerische Karten gelegt und ggf. der Gesinnungsmarker verschoben. Die aktuell bevorzugte Gesinnung (Wirtschaft, Politik, Militär, Spionage) ist so lange für alle Spieler gültig bis sie durch eine neue Karte wechselt. Sie bestimmt zudem u.a., welche Bonusaktionen aktuell kostenlos durchgeführt werden können. Generell ist die Interaktion in PP sehr hoch, da man die Auslagen der Mitspieler (hier „Hof“ genannt) sowie die ausliegenden Marktkarten immer im Blick haben muss. Jeder Spieler entwickelt zwar seine eigene Kartenauslage, jedoch bietet PP viele Möglichkeiten sich gegenseitig zu beeinflussen. Auch das Verhandeln und sich Abstimmen zwischen den Spielern ist erlaubt. Während des Spiels wird durch das Aktivieren einer sog. Dominanzcheckkarte vom Markt geprüft, ob eine der drei Fraktionen dominiert und die diesem Bündnis treuen Spieler erhalten auf ihrem Einfluss basierende Siegpunkte. Wenn Afghanistan jedoch während einer dieser Überprüfungen zersplittert bleibt, erhalten die Spieler stattdessen Siegpunkte auf der Grundlage ihrer persönlichen, aktuellen Machtbasis. Sollte ein Spieler nach einem Dominanzcheck um mindestens vier Punkten in Führung liegen, endet das Spiel. Anderenfalls endet das Spiel nach dem vierten und letzten Dominanzcheck.

So sieht Pax Pamir im Tabletop Simulator aus.

Was hat gefallen?
1. Die Interaktion
Im Gegensatz zur Standard-Euro-Kost, die ich idR. konsumiere, steckt in PP jede Menge Interaktion. Sei es durch das Schmieden (und Brechen) von zwischenzeitlichen Bündnissen, um eine Fraktion zur Mehrheit vor einem Dominanzcheck zu verhelfen oder durch das Erpressen und Bedrohen (durch eigene Spione) von Mitspielern. Wer lieber (multiplayer-solitär) in Ruhe vor sich hin optimiert, wird an PP also eher keine Freude haben.
2. Das Material
Eigentlich kann und darf ich mir kein Urteil über das Material erlauben, da ich bisher nur virtuelle Spielerfahrungen gesammelt habe. Allerdings sehen die Prototypenfotos sehr vielversprechend aus. Der zentrale Spielplan soll z.B. nicht aus Pappe sondern aus einem bedruckten Tuch bestehen.
3. Das Artwork
Auch hier kann ich nur ein eingeschränktes Urteil fällen. Die Karten im Tabletop Simulator/Vassal sollen jedoch die Originalgrafiken des finalen Spiels enthalten. Und die sind ein echter Hingucker.
4. Das Thema
Afghanistan im neunzehnten Jahrhundert. Wer sich ein wenig für Geschichte interessiert, weiß, dass dies geopolitisch eine interessante Zeit war. Das Hin- und Herwogen der Macht der drei politischen Akteure kommt in PP sehr gut bei den Spielern an.

Was ist zu bemängeln?
Die Downtime
Auch wenn jeder Spieler pro Runde eigentlich nur zwei Aktionen (zzgl. eventueller Bonusaktionen) hat, gilt es, seinen Einfluss möglichst optimal in die richtige Richtung zu erweitern. Das kann bei dem ein oder anderen Spieler zur Grübelei ausarten.

Würde ich es nochmal spielen?
Die Bestellung bei Spielworxx wurde bereits platziert. Bis zur Auslieferung hoffe ich auf noch viele weitere spannende (virtuelle) Partien.

Fazit
Spielworxx ist u.a. aufgrund der niedrigen Auflage ihrer Spiele eher für Nischentitel bekannt. Pax Pamir wird mein erstes Exemplar von diesem Verlag sein und ich freue mich sehr darauf. Der Verlagsinhaber hat angedeutet, dass ggf. weitere Titel von Cole Wehrle lokalisiert werden. Daher bleibt Spielworxx definitiv auf meinem Radar.

So sollen die fertigen Komponenten aussehen:
Hier als Beispiel die Koalitionsblöcke von Afghanistan (grün) und Großbritannien (rosa), links der Marker für die Vorherrschaft in der Provinz Herat und oben links der Marker für die aktuelle Gesinnung (blau = Spionage). Oben rechts die Marktauslage mit Metallmünzen.

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