die spielkameraden

Worum geht es bei Brass: Birmingham (Thema)?
Bei Brass: Birmingham (BB) handelt es sich um ein Wirtschaftsspiel in dem die Spieler Unternehmer in der Zeit der industriellen Revolution (1770 – 1880 lt. Spielplan) verkörpern. Wie bei seinem Vorgänger (Brass: Lancashire kurz BL) versuchen die Spieler in BB über zwei Wirtschaftsepochen (Kanal- und Eisenbahnära) eine eigene Industrie aufzubauen, diese optimal zu vernetzen um schließlich die Nachfrage nach Gütern am erfolgreichsten zu befriedigen. Am Ende beider Epochen wird eine Punktewertung durchgeführt. Wer am Ende der zweiten Epoche am besten gewirtschaftet hat, ist der Sieger.

Wie funktioniert Brass: Birmingham (Mechanik)?
Jeder Spieler hat ein eigenes Spielertableau auf dem die unterschiedlichen Industriegebäude (Kohlemine, Eisenschmelze, Bierbrauerei, etc.) in Form von quadratischen Plättchen liegen. Die Plättchen unterscheiden sich hierbei nicht nur durch die aufgedruckte Industrieart sondern auch dem Entwicklungslevel der jeweiligen Industrie. Zudem hat jeder Spieler neben seinem Tableau eine begrenzte Anzahl an Schiffs- bzw. Zugplättchen durch die man sein Netzwerk erweitern kann. Das Herz des Spiels aber sind die Karten von denen jeder zu Beginn acht erhält. Es gibt zwei Kartentypen: Ortskarten und Industriekarten. Nach Festlegung der Zugreihenfolge hat jeder Spieler immer genau zwei Aktionen zur Verfügung. Für jede Aktion muss man eine Karte abwerfen. Je nachdem für welche Aktion man sich entscheidet, kann man entweder eine beliebige Karte ausspielen oder man muss eine bestimmte Karte ablegen (insbesondere bei der Bauaktion). Am Ende des Zugs zieht man wieder auf acht Handkarten auf (zumindest so lange bis der Nachziehstapel aufgebraucht ist). Welche Aktionen kann man nun machen? Bei BB hat man sechs verschiedene Aktionen zur Auswahl. Man kann bspw. Bauen (die Industrieplättchen vom eigenen Tableau auf das Spielbrett bringen), sein Netzwerk erweitern (Schiffs- oder Eisenbahnplättchen auf die Verbindungslinien zwischen den Städten legen), Entwickeln (bis zu zwei beliebige Industrieplättchen mit dem geringsten Level vom eigenen Tableau entfernen), Waren verkaufen (sofern die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind) indem man bereits auf das Spielbrett ausgelegte Plättchen umdreht/flippt (und dafür Siegpunkte am Ende der Epochen sowie Fortschritte auf der Einkommensleiste erhält), einen Kredit aufnehmen oder zwei Handkarten gegen zwei Jokerkarten tauschen. Die Zugreihenfolge für die nächste Runde richtet sich danach, wer in der vergangenen Runde am wenigsten Geld ausgegeben hat. Kompliziert wird BB immer dann, wenn für die gewählte Aktion bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen. So wird z.B. für den Bau von Gebäuden häufig neben einem Geldbetrag auch ein bis zwei Kohlewürfel verlangt. Diese notwendige Kohle muss entweder von einem Kohlebergwerk, das mit dem zu bauende Industriegebäude über Schiffs- oder Eisenbahnplättchen verbunden ist, kommen oder von einem sich am Rand des zentralen Spielbretts befindlichen Ortes mit einem sog. Fernen Markt. Zudem muss die abzulegende Handkarte entweder mit dem Ort übereinstimmen an dem man bauen möchte oder der Industrie des Plättchens entsprechen. Bei BB kommt im Gegensatz zu BL noch verschärfend hinzu, dass zusätzlich zu Kohle noch Bier benötigt wird, was ggf. genau wie Kohle angeschlossen sein muss (zumindest wenn es von der Brauerei eines Mitspielers oder vom Markt kommen soll).   

Was hat gefallen?
1. Das Material
Die Pokerchips in der Deluxe Version: Ein Traum! Auch das Spielbrett bringt den Look der industriellen Revolution perfekt rüber. Einige finden genau das zu düster. Mir gefällt die Optik hervorragend. Zudem fühlen sich die Karten durch das linen finish sehr hochwertig an. Die Rohstoffe (Kohle, Eisen, Bier) sind ebenfalls sehr schön gestaltet.
2. Das Thema
Trotz der Tatsache, dass es sich um ein Wirtschaftsspiel handelt, sind die Regeln thematisch sehr passend. So brauchte man zu Beginn der Industrialisierung extrem viel Kohle. Spielerisch muss man eben eine Verbindung zu einer Kohlequelle haben bevor man bauen kann. In der zweiten Epoche werden die Kanäle durch Schienen bzw. Loks ersetzt, da eben dieses neue Transportmittel damals die Welt eroberte.
3. Die strategische Tiefe
Bauchspieler sind bei BB chancenlos. Jeder Zug muss wohl überlegt sein. Man muss permanent überlegen, wie man die Voraussetzungen für die eigenen Ziele schafft. Durch die Handkarten ist man zudem gezwungen, die eigene Strategie anzupassen, da der beste Plan ohne die passenden Karten nicht funktioniert.

Was ist zu bemängeln?
1. Nüscht!
Ernsthaft! Es ist für mich ein perfektes Spiel. Spieler, die weder Wirtschaftssimulationen noch strategisches Vorausplanen mögen, sollten allerdings besser die Finger davon lassen.

Unterschiede zwischen BB und BL?
Abgesehen von dem veränderten Spielbrett (BB hat keine Hafenstädte dafür aber mehr Marktstädte am Spielfeldrand) wurden in BB noch weitere Industrien (Bier, Handelswaren, Tonprodukte) eingeführt. Des Weiteren kann man eine Aktion verbrauchen, um Jokerkarten zu bekommen. Schließlich hat man bis zum Spielende die Möglichkeit, Kredite aufzunehmen. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad von BB noch mal eine Spur höher als BL, da es noch mehr zu bedenken gilt.

Würde ich es nochmal spielen?
Während ich diese Zeile schreibe habe ich schon wieder Lust auf BB. Also: Auf jeden Fall! Obwohl ich bereits BL besitze werde ich mir wahrscheinlich BB zusätzlich kaufen.  

Fazit
Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsspielen (z.B. Funkenschlag) ist man durch die Optik erstmal total begeistert. Das Spielmaterial hat einen sehr hohen Aufforderungscharakter. Man möchte am liebsten sofort los spielen. Außerdem wird man während des Spiels immer wieder durch das Flippen der eigenen Industrieteile (oft auch durch die Mitspieler) belohnt. Durch den im Gegensatz zu BL etwas variableren Spielaufbau (die Marktplättchen werden zu Spielbeginn zufällig auf die Marktstädte verteilt) ist m.E. der Wiederspielreiz höher als BL. Ein echtes Meisterwerk!

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