die spielkameraden

Wie bin ich auf dieses Spiel aufmerksam geworden?
Underwater Cities (UC) war kurz nach der Spiel ´18 in diversen Foren ziemlich gehyped. Leider damals nur auf Englisch verfügbar. Zudem hatte ich den Autor (Vladimír Suchý) schon seit Pulsar 2849 auf dem Radar. Mit ihm verbinde ich komplexe Euros (UC = BGG Schwierigkeitsgrad 3,52) mit stark verzahnter Mechanik. Also genau die Art von Brettspielen, die mir sehr gut gefallen! Zum Glück hat sich ein Mitstreiter aus der Donnerstagsrunde UC dann auf Deutsch gekauft und ich konnte prüfen, ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren.

Worum geht es bei Underwater Cities?
Um das Problem der Überbevölkerung der Erde zu lösen, haben die Spieler die Aufgabe, eine eigene Unterwassernation am Meeresgrund zu errichten. Dabei baut jeder Spieler seine Nation auf seinem eigenen Tableau in Form von Städten (=Kunststoffhalbkugeln), die durch Tunnel miteinander verbunden sind. Jeder Spieler beginnt mit einer Startstadt und erweitert im Laufe des Spiels sein Netzwerk durch neue Städte, Tunnel und Produktionsanlagen für Nahrung, Frischwasser und Forschung. Wer nach zehn Runden die meisten Siegpunkte gesammelt hat, ist der Gewinner.

Wie funktioniert Underwater Cities?
Gespielt wird über insgesamt zehn Runden. Pro Runde hat jeder Spieler insgesamt drei Aktionen zur Verfügung. Die Aktionsmöglichkeiten sind am Rand des Hauptspielplans abgebildet. Jeder Spielplanrand hat dabei eine andere Farbe (blau, gelb, rot). Entscheidet sich ein Spieler für eine Aktion, legt er sein Aktionsplättchen auf das entsprechende Feld und spielt gleichzeitig eine seiner drei Handkarten aus. Stimmt die Farbe der Handkarte mit der Farbe des Aktionsfeldes überein, kann der Spieler zusätzlich zur Aktion des gewählten Feldes auch die auf der Karte abgebildete Aktion nutzen. Das gewählte Feld ist für den Rest der Runde blockiert und kann nicht mehr ausgewählt werden (Ausnahme ist der in der Mitte des Hauptspielplans abgebildete jederzeit verfügbare Aktionsplatz). Als Aktionsfelder stehen den Spielern z.B. Bauaktionen (Städte, Tunnel oder Versorgungsgebäude), Erwerb von Rohstoffen, Aufwertungen (Tunnel oder Versorgungsgebäude), das Auslösen von Aktionskarten oder der Erwerb von Spezialkarten zur Verfügung. Die Karten unterscheiden sich neben den unterschiedlichen Effekten und Farben vor allem durch den Aktivierungszeitpunkt der Effekte (sofort/einmalig, permanent, einmal pro Ära). Nach jedem Spieldrittel (bzw. nach jeder Ära) kommt es zu einer Produktions- und Versorgungsphase in denen die Städte, Tunnel und Versorgungseinrichtungen Rohstoffe, Geld und Siegpunkte produzieren und die Stadtbewohner Nahrung verbrauchen. Nach der ersten und zweiten Produktionsphase kommen zudem neue Nachziehkartenstapel ins Spiel.

Was hat mir gefallen?
1. Improvisieren ist gefragt
Wenn man auf seinen Spielplan schaut, hat man einen Plan, was bzw. welche Aktion man als nächstes machen möchte. Diese gewünschte Aktion ist aber entweder bereits für diese Runde blockiert oder man hat eine Handkarte deren Effekt man unbedingt nutzen möchte… aber die Kartenfarbe passt leider nicht zum Aktionsfeld! Daher ist permanentes Improvisieren gefragt. Wobei die ausliegenden Metropolenplättchen (deren Bonus man nur erhält, wenn man sie über Tunnel und Städte verbunden hat), Regierungsaufträge (wer diese zuerst erfüllt erhält den abgebildeten Bonus) und die Spezialkarten eine gute Indikation für eine mögliche Siegstrategie aufzeigen.
2. Das Unterwasserthema
Fühlt sich unverbraucht an. Und durch die Abbildungen und Bezeichnungen (Entsalzungsanlage, Tangfarm, symbiotische Städte) kommt das Thema (für ein Euro-Game) sehr schön rüber.

Was hat mir nicht gefallen?
1. Das Material
Ja, ja, es handelt sich bei Delicious Games um einen kleinen tschechischen Verlag. Underwater Cities ist ihr Erstlingswerk (und ich bin echt froh, dass es überhaupt auf Deutsch erschienen ist). ABER… die Playerboards, Übersichtskarten und Spielkarten sind alle aus dünnstem Papier. Da hätte ich mir für ein paar Euro mehr wirklich dickeres Material gewünscht. Ein Flügelschlag kostet zehn Euro mehr aber der Aufpreis im Vergleich zu UC ist jeden Cent wert. Über das nicht vorhandene Inlay decke ich jetzt Mal den Mantel des Schweigens.
2. AP-Risiko
Eben weil man seine Strategie permanent anpassen muss werden grübellastige Spieler den Spielverlauf definitiv ausbremsen. Zudem glaube ich auch nicht, dass das Spiel mit vier Spielern an Tiefgang gewinnt, da eigentlich jeder für sich an seiner Unterwassernation baut. Mit schnellen Spielern wäre drei wohl die ideale Personenanzahl aber es ist m.E. auch zu zweit sehr gut spielbar.

Würde ich es nochmal spielen?
Auf jeden Fall! Es gibt noch viel zu entdecken. Seien es Karten oder andere Siegpunktstrategien.

Fazit
Auch kleine bzw. neue Verlage können sehr gute Spiele herausbringen. Wenn man über das billige Material hinwegsehen kann, erwartet einen hier ein tolles Euro-Game mit sehr schönem Thema. Die Kombination aus Städtebau, Handkartenmanagement und Aktionsauswahl halte ich für sehr gelungen.

Gleich bei der ersten Partie vier symbiotische Städte gebaut und alle drei Metropolen angeschlossen… ich war zufrieden mit mir ☺️



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