Ersteindruck: Captain Sonar (2016 / Roberto Fraga & Yohan Lemonnier / Matagot)

Ersteindruck: Captain Sonar (2016 / Roberto Fraga & Yohan Lemonnier / Matagot)

Wie bin ich auf dieses Spiel aufmerksam geworden?
Gar nicht, es ist auf mich aufmerksam geworden ­čść ! Und das kam so….
Als ich in 2018 auf der Berliner Brettspiel Con 2018 ├╝ber die Messe schlenderte standen dort diese 2m hohen Spieltafeln an denen acht Leute total hektisch sich gegenseitig Befehle zubr├╝llten und dabei offenbar ne Menge Spa├č zu haben schienen. Ich hatte nat├╝rlich schon vorher von Captain Sonar (CS) gelesen und die Idee des Spiels begriffen. Allerdings tauchte CS nie auf meiner Wunschliste auf, weil ich nie und nimmer gedacht h├Ątte, jemals acht Verr├╝ckte daf├╝r auftreiben zu k├Ânnen. Tja, Zeiten ├Ąndern sich…. ­čśü. Vor ein paar Wochen hatte mein Nachbar (ein Brettspielmuggel) abends sturmfrei. Ich bequatschte in so lange bis ich mit einem Schwung voll Spiele unterm Arm beim ihm klingelte (hatte mir nat├╝rlich vorher Gedanken gemacht, wie ich ihn f├╝r das Hobby anfixen kann). Der Abend lief hervorragend! Am n├Ąchsten Tag schrieb er dann, er h├Ątte da so ein geiles Spiel im Netz gesehen….und es sich sofort bestellt. Ich fragte vorsichtig, um welchen Schatz es sich denn handelt: „Captain Sonar nat├╝rlich!“ Innerlich kopfsch├╝ttelnd fragte ich mich, warum er sich unter den gef├╝hlt eine Millionen tollen Spielen ausgerechnet eins aussuchen musste, was nur zu acht spielbar ist! Egal, ich empfand es als Herausforderung, acht Mitstreiter aufzutreiben. Und nach einer l├Ąngeren Anlauf- und Umfragephase fanden sich dann tats├Ąchlich neben uns beiden weitere sechs Verr├╝ckte bei mir ein (im ├╝brigen alles Brettspielmuggel ­čść).
So weit zur Vorgeschichte….

Worum geht es bei Captain Sonar?
„Schiffe versenken zu Acht“. Fertig! Im Grunde genommen ist es das wirklich. Zwei Mannschaften (bestehend aus den Rollen Kapit├Ąn, 1. Offizier, Funker und Maschinist) sitzen sich durch einen Sichtschirm getrennt gegen├╝ber und versuchen das U-Boot der Gegner zu orten und zu vernichten. Wessen U-Boot zuerst vier Schadenspunkte erleidet, verliert das Spiel.

Wie funktioniert Captain Sonar?
Der gr├Â├čte Unterschied zu den meisten anderen Brettspielen ist, dass in Echtzeit gespielt wird. Jeder Spieler/jede Rolle hat dabei ganz individuelle Aufgaben. Der Funker achtet nur auf den gegnerischen Kapit├Ąn und versucht dadurch, die Position des gegnerischen U-Bootes herauszufinden. Der Maschinist vermerkt durch jeden neuen Kurs seines Kapit├Ąns die Systemdefekte. Dadurch fallen nach und nach Waffen-, Ortungs- und Schleichfahrtsysteme aus. Diese k├Ânnen nur durch den „richtigen“ Kurs bzw. durch das Auftauchen des U-Bootes (was man vermeiden m├Âchte, da man dadurch den Sektor Preis geben muss in dem man sich befindet) repariert werden. Der erste Offizier aktiviert durch das Ansagen des Kurses seines Kapit├Ąns nach und nach die diversen Waffen-, Ortungs- und Schleichfahrtsysteme und informiert seinen Kapit├Ąn, sobald ein System bereit ist. Allerdings bedeutet „bereit“ nicht unbedingt „verf├╝gbar“, da ein System eventuell besch├Ądigt ist (eine Nachfrage beim Maschinisten hilft dabei). Der Kapit├Ąn wiederum steuert das U-Boot durch Ansagen des Kurses und koordiniert die Aktivit├Ąten seiner Mannschaft.

Was hat mir gefallen?
1. Die Interaktion
Wahnsinn! Im Gegensatz zu den gr├╝bellastigen Kenner- und Experteneuros, die ich sonst immer spiele, ist bei CS volle Aktion angesagt! Man stimmt sich permanent im eigenen Team ab. Kommunikation ist hier der Schl├╝ssel zum Sieg.
2. Die Immersion
Man steigt sehr tief in die eigene Rolle ein. Je „autentischer“ die Kommandos gerufen werden („Mine bereit“, „Waffensystem ausgefallen“, „Auftauchen“, „Kurs Nord bes├Ątigt“) desto tiefer wird man in das Spiel hineingezogen.
3. Die Spieldauer
Wir haben in vier Stunden inkl. Erkl├Ąrung mehr als zehn Runden/Szenarien gespielt. Wenn die Teams eingespielt sind, dauert eine Runde ca. 15 Minuten.
4. Der Wiederspielreiz
Gerade bei knappen Ausg├Ąngen bzw. wenn beide Kapit├Ąne die Position des Gegners herausgefunden haben, m├Âchte man sofort eine Revanche! Im Grundspiel sind zudem bereits f├╝nf unterschiedliche Seekarten enthalten, die f├╝r ausreichend Abwechslung sorgen. Hinzu kommen noch szenariospezifische Sonderregeln (gerade auch in der Erweiterung „Volles Rohr“), die z.B. neue Waffensysteme ins Spiel bringen und deren Effekte man unbedingt mal ausprobieren m├Âchte. Des Weiteren k├Ânnen die Rollen und/oder Teams nach jeder Runde getauscht werden.
5. Die Anleitung
Sehr klar strukturiert inkl. guter Beispiele. Da bleibt keine Frage offen.
6. Das Material
Abgesehen von den Stiften absolut tolles und vor allem praktisches (da abwischbares) Material. Die beiden Sichtschirme tragen viel zur Stimmung bei.

Was hat mir nicht gefallen?
1. Die Spieleranzahl
Ja, man kann das CS auch zu sechst spielen. Davon w├╝rde ich jedoch abraten. Der Capit├Ąn soll lt. Anleitung die Rolle des ersten Offiziers mit├╝bernehmen. Diese Doppelrolle ist m.E. zu viel f├╝r einen Spieler. Mag sein, dass es mit mehr Erfahrung besser klappt. Aber es wird auch dann an Dynamik verlieren, weil der Kapit├Ąn einfach nicht mehr so schnell agieren/reagieren kann.
2. Der Stress
…zeichnet m.E. genau dieses Spielerlebnis aus. Es wird jedoch sicherlich Spieler geben, die lieber in aller Ruher ├╝ber ihre n├Ąchsten Z├╝ge gr├╝beln… ­čś┤

W├╝rde ich es nochmal spielen?
Definitiv! Soviel Action gibt es nirgendwo sonst in der Brettspielwelt.

Fazit
Was die Autoren/der Verlag hier mit einfachen Regeln auf den Tisch gebracht haben, verdient aller h├Âchste Anerkennung! Wer sich f├╝r das Brettspielhobby begeistern kann, sollte auf jeden Fall mal Captain Sonar ausprobiert haben.

7 Gedanken zu „Ersteindruck: Captain Sonar (2016 / Roberto Fraga & Yohan Lemonnier / Matagot)

  1. Alter! Brettspielmuggel? Echt? Solch ein Begriff f├╝r mich? Ich wei├č, was Du damit sagen willst, aber ein Potterismus f├╝r mich? Neeee. Dont like this ­čśë

  2. Das war VOR dem Abend! Nach der legend├Ąren U-Boot-Taufe (ich sage nur „Super-Kavitationstorpedo“) seid Ihr alle in den circle of trust der hardcore boardgamer aufgenommen ­čśä

  3. Super Artikel!
    Ich hatte w├Ąhrend einer der mont├Ąglichen Runden die Gelegenheit Captain Sonar zu spielen. Genau wie auch Du, war ich von der Spielidee, der Umsetzung, Interaktion, „Eintauchtiefe“ als auch dem Wiederspielwert begeistert.

  4. Die Idee fand ich super… Die Umsetzung war mir leider viel zu hektisch und zu laut. Vor allem durch das allgegenw├Ąrtige Geschrei ist das Spiel bei mir durchgefallen. Schade, denn ich hatte mich drauf gefreut.

    1. Dann hattest Du wahrscheinlich einfach Pech mit Deiner Gruppe. Bei uns wurde nicht geschrien. Ganz im Gegenteil. In ein paar Partien gab es sogar die Situation, dass ich als Kapit├Ąn nur auf den Kurs meines Funkers geschaut habe ohne einen Befehl zu geben (mein erster Offizier wurde schon nerv├Âs). Ich wollte einfach abwarten bis das gegnerische U-Boot in Torpedoreichweite kommt. War sehr spannend (fast wie im U96 Film). Also gib Captain Sonar nochmal eine zweite Chance!

  5. @Malte Bei uns gab es doch nur Sieggeschrei. Das Spiel wurde etwas lauter gespielt aber Geschrei habe ich nicht in Erinnerung.

    1. Mhhh ok dann halt extreme Lautst├Ąrke und ein Stimmengewirr. Ich habe einfach nicht h├Âren k├Ânnen, was mein Team sagt, da das mir gegen├╝bersitzende Gr├╝ppchen sehr lautstark miteinernader kommunizierte oder meines zu leise war oder meine Ohren kaputt sind… who knows.

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